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Rede Dr. Manfred Droste, "Lott Stonn!", am Sonntag 24.02.2013 vor dem Trauermarsch über den Tausendfüßler Liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen!
So hieß es noch im Mai vorigen Jahres in einer Zeitungsanzeige, die rund 60 Mitbürger und Mitbürgerinnen unterschrieben hatten, darunter die weltbekannten Künstler Andreas Gursky und Heinz Mack, Architekturprofessoren, der Vorsitzendes des Bundes Deutsche Architekten Bruno Braun, Jenny Jürgens, Nina Ruge und viele andere prominente und besonders engagierte.
Nun ist er so gut wie tot. Zum Tode verurteilt. In wenigen Tagen werden Abrissbirnen und riesige Spezialmaschinen damit beginnen ihn zu zertrümmern. Dabei hat er mehr als ein halbes Jahrhundert die Düsseldorfer Innenstadt geprägt, bildete zusammen mit dem Dreischeibenhaus und dem Schauspielhaus ein vielgerühmtes Ensemble. Großstädtisches Symbol für Wirtschaft, Kultur und Verkehr. Wegen seiner hervorragenden Gestaltung stand er mit Recht unter Denkmalschutz. Und als Verkehrsbauwerk hat er sich bestens bewährt: Keine Staus, keine Unfälle. 25.000 Autos fuhren täglich drüber mit rund 40.000 Menschen, die den freien Blick auf die Stadt und auch in glitzernde Kaufhausetagen schätzten.- Aber nach der Ideologie der Abrissbetreiber gehören ja Autos grundsätzlich unter die Erde und Menschen auf die Erde. So tönte es im Stadtrat. Autoinsassen sind wohl erst dann wieder Menschen, wenn sie ausgestiegen und Fußgänger geworden sind. Aber den Fußgängern und auch den Radfahrern wird durch den Innenstadtumbau ein Bärendienst erwiesen. Sie verlieren die einzige verkehrsfreie Verbindung zwischen der westlichen und der östlichen Hofgartenhälfte: die Jägerhofpassage, müssen künftig einen Bahnkörper überqueren, auf dem 3 Straßenbahnlinien in dichtem Takt verkehren und jeder weiß doch aus vielen Unfällen, wie gefährlich Straßenbahnen, die nicht ausweichen können und einen langen Bremsweg haben, für Fußgänger sind. Der Stadtplaner Professor Thamms hatte durch die Hochstraße, durch Fußgängerpassagen und separate Bahnkörper erreicht, dass sich Fußgänger, Autos und Bahnen möglichst wenig stören. Völlig zu Unrecht wird ihm jetzt vorgeworfen, er habe eine einseitig autogerechte Stadt schaffen wollen. Überwindung der Autogerechten Stadt" und „Stadtverschönerung". Damit begründen die Illusionisten des Düsseldorfer Stadtumbaus den ungeheuren Aufwand an Zeit und Geld. – Steuergeld, Geld der Bürger! Sind denn die Tunnelrampen, die gewaltigen Löcher, 7 an der Zahl, jedes 85 m lang und 6 m tief eine Stadtverschönerung? Eine davon vor dem barrocken Hofgärtnerhaus, eine hinter dem Altarraum der Johanneskirche: Lärmschluchten! Schauen Sie
sich doch das Monsterbauwerk an, das bereits entstanden ist an der Elberfelder Straße. Höchst zweifelhaft ist, ob die Spaziergänger mit dem Herzstück der Planung, einer Allee mit 4 Reihen beschnittener Platanen glücklich werden. Diese Allee hat keine Bezugspunkte, führt von nirgendwo nach nirgendwo und bleibt wohl deshalb eine Totgeburt. Höchst zweifelhaft ist auch, ob an der Hofgartenseite, das heißt im Norden der überdimensionierten Libeskindbauten, die Aufenthalts-qualität entsteht, wie sie auf Fantasiebildern in einer städtischen Broschüre dargestellt wird. Wir von der Bürgerinitiative Wir setzen uns kritisch mit der Stadtplanung auseinander und entwickelten Alternativen, die besser funktionieren, besser aussehen und vor allem auch Kosten sparen. Der Bund Deutscher Architekten war auf unserer Seite und wir wussten auch immer die Mehrheit unserer Mitbürger hinter uns.
Alle Umfragen zeigten eine deutliche Mehrheit gegen den Abriss. Ebenso viele Leserbriefe in den Zeitungen, Beiträge im Internet und zahlreiche Eingaben bei der gesetzlich vorgeschriebenen Bürgerbeteiligung im Juni und Juli 2011. Auf 994 Seiten wurden die Bürgermeinungen dokumentiert, zusammen mit den immer gleichen ablehnenden Stellungsnahmen der Stadtverwaltung. Eigentlich ist die Bürgerbeteiligung ja eine Farce, wenn sie völlig wirkungslos bleibt.- „ Augen zu und durch" ist offenbar der Leitsatz bei der gegenwärtigen Ratsmehrheit für Abriss und Stadtumbau. Dabei hätten die akuten Finanzprobleme der Stadt – Einbruch der Gewerbesteuer, Verteuerung der U-Bahn – zum Nachdenken führen müssen, ob der enorm teure Stadtumbau noch angebracht und gerechtfertigt ist. Wo doch bereits an vielen Stellen gespart werden muss, dass es weh tut.
Im Gutachten des Stuttgarter Ingenieurbüros wird die Sanierung und vor allem Ertüchtigung des Tausendfüßlers für künftige Verkehrs-belastungen mit 9 Millionen Euro oder 11 Millionen Euro, je nach Ausführung, angegeben. Der Tunnel für den Nord-Süd-Verkehr, der den Tausendfüßler ersetzen soll, kostet nach neuester Angabe des Dezernenten Dr. Keller 130 Millionen. Das ist mehr als das zehnfache. Dazu kommen hohe jährliche Folgekosten für die Tunnel. Der Tausendfüßler hätte nach Sanierung durchaus sein gutes Aussehen, seinen eleganten Schwung behalten, wie die Bilder im Gutachten zeigen. Es ist ganz unverständlich, dass dieses Gutachten für den Minister Grundlage für die Aufhebung des Denkmalschutzes war. Wir bleiben dabei: der Abriss unserer bewährten und geschätzten Hochstraße ist ein großes Unglück für Düsseldorf. Und die nächsten drei Jahre bis zur Eröffnung des Tunnels werden für den innerstädtischen Verkehr furchtbar sein. Staus, wechselnde Schikanen, Unordnung und Baudreck für alle Beteiligten.- So gibt es reichlich Grund zum Trauern. Das soll nun durch unseren Zug über den Tausendfüßler zum Ausdruck kommen. Dr. Manfred Droste 24.02.2013
Lott stonn: „Ein großes Unglück für Düsseldorf"
- Die Jägerhofpassage, einzige Verbindung für Fußgänger und Radfahrer zwischen den beiden Hofgartenhälften, fällt fort. Gravierend ist die finanzielle Belastung für die Stadt und ihre Steuerzahler. Per saldo: Die Ministerentscheidung ist für Düsseldorf ein großes Unglück. Für die Bürgerinitiative „Lott Stonn!“: Tausendfüßler feiert Geburtstag!![]()
Vor 50 Jahren, am 05. Mai 1962, wurde der Tausendfüßler für den Verkehr freigegeben. Er hieß „Jan Wellem Hochstraße“, wurde jedoch bald allgemein „Tausendfüßler“ genannt. Dabei hat er keine tausend, sondern 21 Füße (Stützen), 11 unter der Geraden in der Verlängerung der Kaiserstraße und je 5 unter den Abzweigungen zur Immermannstraße und zur Berliner Allee. Er ist 670 m lang.
1960 hatte der Stadtrat den Bau beschlossen, um den Verkehr in der Düsseldorfer Innenstadt flüssig zu halten und die gegenseitige Belästigung von Autos, Bahnen, Fußgängern und Radfahrern zu minimieren. Fußgängerpassagen ergänzten das Konzept. Der Baudezernent Professor Friedrich Thamms, ein erfahrener und anerkannter Brückenbauer, bemühte sich um besondere technische und gestalterische Qualität des Bauwerks. Auf die Frage nach der Lebensdauer hatte er im Stadtrat geantwortet: „200 Jahre“.
Dem Bau vorausgegangen war ein Gutachten der damals berühmtesten Stadtplaner Professor Werner Hebebrand (Hamburg) und Professor Rudolf Hillebrecht (Hannover), die aus Gründen der Stadtgestaltung, nicht aus wirtschaftlichen Gründen, den Bau der Hochstraße empfahlen und eine Tunnellösung ablehnten, besonders wegen der störenden Rampen. Später wurde der Tausendfüßler wegen seiner hervorragenden Gestaltung und als wichtiges Zeugnis der Architektur der 60 Jahre unter Denkmalschutz gestellt, auch als Bestandteil eines Ensembles zusammen mit dem Schauspielhaus und dem Dreischeibenhaus, die ebenfalls unter Denkmalschutz stehen.
Auf Grund eines Beschlusses der gegenwärtigen Mehrheit im Stadtrat – CDU und FDP gegen SPD und Grüne – soll der Tausendfüßler im Zusammenhang der Kö-Bogen-Planung abgerissen und durch einen langen Tunnel für den Nord-Süd-Verkehr ersetzt werden. Der Antrag zur Aufhebung des Denkmalschutzes wurde vom Landes-Denkmalpfleger abgelehnt. Nun muss der Landesbauminister darüber entscheiden, der zunächst ein unabhängiges Gutachten über Zustand und etwaigen Renovierungsbedarf der Hochstraße in Auftrag gab. Die Entscheidung wird Anfang Juni erwartet.
Am Samstag, dem 5. Mai um 17.00 Uhr, wurde am Tausendfüßler der fünfzigste Geburtstag mit Musik gefeiert. .Der Tausendfüßler muss bleiben!
Wegen der "Leichtigkeit und Eleganz des Bauwerks und als Zeugnis der Architektur der 60er Jahre" wurde der Tausendfüßler unter Denkmalschutz gestellt.
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Der Tausendfüßler gehört zum Bild der Düsseldorfer Innenstadt. Bebauung und Begrünung haben sich ihm perfekt angepasst. Im Ensemble mit dem Dreischeibenhaus und dem Schauspielhaus ist er ein Markenzeichen der Stadt.
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Als Verkehrsbauwerk hat der Tausendfüßler sich bestens bewährt. Die Vielen, die täglich darüber fahren, genießen den freien Blick auf die Stadt. Ihnen droht für die Zukunft die Enge und Düsternis eines Tunnels
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>Der Tausendfüßler hat 54 Millionen DM gekostet. Ein Tunnel ist viel teurer, besonders weil er die Verlegung zahlreicher Leitungen und Kanäle nötig macht. Ein Tunnel erfordert 60 m lange, in die Tiefe reichende Rampen, riesige Löcher, die das Stadtbild verunstalten
· Warum soll Düsseldorfs schöne Innenstadt total umgekrempelt werden? Warum sollen wir mit einer siebenjährigen Baustelle leben, die außer dem U-Bahn-Bau zusätzliche große Störungen und Hässlichkeiten bringt? Warum sollen 210 Millionen Euro Steuergelder zusätzlich in der Erde verbuddelt werden? · Horst Baumann, Dr. Jochen Belzer, Walter Brune, Dr. Manfred Droste, Prof. Heinz Kalenborn, Nanette Krings, Dirk Krüssenberg, Jürgen Krumland, Kay Lorenz, Reg. Dir. a.D. Adolf Nitsch, Prof. Christoph Parade, Prof. Dr. Klaus Pfeffer, Karin Rath, Waltraud Reinl, Dr. Dieprand von Richthofen, Prof. Horst Rinne, Dr. Klaus Thannhäuser, Carmela Zeoli ..... .... in Vertretung vieler Bürger. · Alle bisherigen Umfragen ergaben, dass die Mehrheit gegen den Abriss des Tausendfüßlers ist. Der Text erschien als Anzeige in Düsseldorfer Tageszeitungen.
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„Wir gratulieren dem Tausendfüßler zum 50. Geburtstag und wünschen ihm ein langes Leben!" So hieß es noch im Mai vorigen Jahres in einer Zeitungsanzeige, die rund 60 Mitbürger und Mitbürgerinnen unterschrieben hatten, darunter die weltbekannten Künstler Andreas Gursky und Heinz Mack, Architekturprofessoren, der Vorsitzendes des Bundes Deutsche Architekten Bruno Braun, Jenny Jürgens, Nina Ruge und viele andere prominente und besonders engagierte.
Nun ist er so gut wie tot. Zum Tode verurteilt. In wenigen Tagen werden Abrissbirnen und riesige Spezialmaschinen damit beginnen ihn zu zertrümmern. Dabei hat er mehr als ein halbes Jahrhundert die Düsseldorfer Innenstadt geprägt, bildete zusammen mit dem Dreischeibenhaus und dem Schauspielhaus ein vielgerühmtes Ensemble. Großstädtisches Symbol für Wirtschaft, Kultur und Verkehr. Wegen seiner hervorragenden Gestaltung stand er mit Recht unter Denkmalschutz. Und als Verkehrsbauwerk hat er sich bestens bewährt: Keine Staus, keine Unfälle. 25.000 Autos fuhren täglich drüber mit rund 40.000 Menschen, die den freien Blick auf die Stadt und auch in glitzernde Kaufhausetagen schätzten.- Aber nach der Ideologie der Abrissbetreiber gehören ja Autos grundsätzlich unter die Erde und Menschen auf die Erde. So tönte es im Stadtrat. Autoinsassen sind wohl erst dann wieder Menschen, wenn sie ausgestiegen und Fußgänger geworden sind. Aber den Fußgängern und auch den Radfahrern wird durch den Innenstadtumbau ein Bärendienst erwiesen. Sie verlieren die einzige verkehrsfreie Verbindung zwischen der westlichen und der östlichen Hofgartenhälfte: die Jägerhofpassage, müssen künftig einen Bahnkörper überqueren, auf dem 3 Straßenbahnlinien in dichtem Takt verkehren und jeder weiß doch aus vielen Unfällen, wie gefährlich Straßenbahnen, die nicht ausweichen können und einen langen Bremsweg haben, für Fußgänger sind. Der Stadtplaner Professor Thamms hatte durch die Hochstraße, durch Fußgängerpassagen und separate Bahnkörper erreicht, dass sich Fußgänger, Autos und Bahnen möglichst wenig stören. Völlig zu Unrecht wird ihm jetzt vorgeworfen, er habe eine einseitig autogerechte Stadt schaffen wollen. „ Überwindung der Autogerechten Stadt" und „Stadtverschönerung". Damit begründen die Illusionisten des Düsseldorfer Stadtumbaus den ungeheuren Aufwand an Zeit und Geld. – Steuergeld, Geld der Bürger! Sind denn die Tunnelrampen, die gewaltigen Löcher, 7 an der Zahl, jedes 85 m lang und 6 m tief eine Stadtverschönerung? Eine davon vor dem barrocken Hofgärtnerhaus, eine hinter dem Altarraum der Johanneskirche: Lärmschluchten! Schauen Sie
sich doch das Monsterbauwerk an, das bereits entstanden ist an der Elberfelder Straße. Höchst zweifelhaft ist, ob die Spaziergänger mit dem Herzstück der Planung, einer Allee mit 4 Reihen beschnittener Platanen glücklich werden. Diese Allee hat keine Bezugspunkte, führt von nirgendwo nach nirgendwo und bleibt wohl deshalb eine Totgeburt. Höchst zweifelhaft ist auch, ob an der Hofgartenseite, das heißt im Norden der überdimensionierten Libeskindbauten, die Aufenthalts-qualität entsteht, wie sie auf Fantasiebildern in einer städtischen Broschüre dargestellt wird. Wir von der Bürgerinitiative „Lott Stonn!", einem Arbeitskreis von Architekten, Stadtplanern, Denkmalschützern und kommunal-politisch engagierten Bürgern, kämpfen seit fünf Jahren nicht nur für den Erhalt des Tausendfüßlers. – Wir setzen uns kritisch mit der Stadtplanung auseinander und entwickelten Alternativen, die besser funktionieren, besser aussehen und vor allem auch Kosten sparen. Der Bund Deutscher Architekten war auf unserer Seite und wir wussten auch immer die Mehrheit unserer Mitbürger hinter uns.
Alle Umfragen zeigten eine deutliche Mehrheit gegen den Abriss. Ebenso viele Leserbriefe in den Zeitungen, Beiträge im Internet und zahlreiche Eingaben bei der gesetzlich vorgeschriebenen Bürgerbeteiligung im Juni und Juli 2011. Auf 994 Seiten wurden die Bürgermeinungen dokumentiert, zusammen mit den immer gleichen ablehnenden Stellungsnahmen der Stadtverwaltung. Eigentlich ist die Bürgerbeteiligung ja eine Farce, wenn sie völlig wirkungslos bleibt.- „ Augen zu und durch" ist offenbar der Leitsatz bei der gegenwärtigen Ratsmehrheit für Abriss und Stadtumbau. Dabei hätten die akuten Finanzprobleme der Stadt – Einbruch der Gewerbesteuer, Verteuerung der U-Bahn – zum Nachdenken führen müssen, ob der enorm teure Stadtumbau noch angebracht und gerechtfertigt ist. Wo doch bereits an vielen Stellen gespart werden muss, dass es weh tut.
„Wir gratulieren dem Tausendfüßler zum 50. Geburtstag und wünschen ihm ein langes Leben!" So hieß es noch im Mai vorigen Jahres in einer Zeitungsanzeige, die rund 60 Mitbürger und Mitbürgerinnen unterschrieben hatten, darunter die weltbekannten Künstler Andreas Gursky und Heinz Mack, Architekturprofessoren, der Vorsitzendes des Bundes Deutsche Architekten Bruno Braun, Jenny Jürgens, Nina Ruge und viele andere prominente und besonders engagierte.
Nun ist er so gut wie tot. Zum Tode verurteilt. In wenigen Tagen werden Abrissbirnen und riesige Spezialmaschinen damit beginnen ihn zu zertrümmern. Dabei hat er mehr als ein halbes Jahrhundert die Düsseldorfer Innenstadt geprägt, bildete zusammen mit dem Dreischeibenhaus und dem Schauspielhaus ein vielgerühmtes Ensemble. Großstädtisches Symbol für Wirtschaft, Kultur und Verkehr. Wegen seiner hervorragenden Gestaltung stand er mit Recht unter Denkmalschutz. Und als Verkehrsbauwerk hat er sich bestens bewährt: Keine Staus, keine Unfälle. 25.000 Autos fuhren täglich drüber mit rund 40.000 Menschen, die den freien Blick auf die Stadt und auch in glitzernde Kaufhausetagen schätzten.- Aber nach der Ideologie der Abrissbetreiber gehören ja Autos grundsätzlich unter die Erde und Menschen auf die Erde. So tönte es im Stadtrat. Autoinsassen sind wohl erst dann wieder Menschen, wenn sie ausgestiegen und Fußgänger geworden sind. Aber den Fußgängern und auch den Radfahrern wird durch den Innenstadtumbau ein Bärendienst erwiesen. Sie verlieren die einzige verkehrsfreie Verbindung zwischen der westlichen und der östlichen Hofgartenhälfte: die Jägerhofpassage, müssen künftig einen Bahnkörper überqueren, auf dem 3 Straßenbahnlinien in dichtem Takt verkehren und jeder weiß doch aus vielen Unfällen, wie gefährlich Straßenbahnen, die nicht ausweichen können und einen langen Bremsweg haben, für Fußgänger sind. Der Stadtplaner Professor Thamms hatte durch die Hochstraße, durch Fußgängerpassagen und separate Bahnkörper erreicht, dass sich Fußgänger, Autos und Bahnen möglichst wenig stören. Völlig zu Unrecht wird ihm jetzt vorgeworfen, er habe eine einseitig autogerechte Stadt schaffen wollen. „ Überwindung der Autogerechten Stadt" und „Stadtverschönerung". Damit begründen die Illusionisten des Düsseldorfer Stadtumbaus den ungeheuren Aufwand an Zeit und Geld. – Steuergeld, Geld der Bürger! Sind denn die Tunnelrampen, die gewaltigen Löcher, 7 an der Zahl, jedes 85 m lang und 6 m tief eine Stadtverschönerung? Eine davon vor dem barrocken Hofgärtnerhaus, eine hinter dem Altarraum der Johanneskirche: Lärmschluchten! Schauen Sie
sich doch das Monsterbauwerk an, das bereits entstanden ist an der Elberfelder Straße. Höchst zweifelhaft ist, ob die Spaziergänger mit dem Herzstück der Planung, einer Allee mit 4 Reihen beschnittener Platanen glücklich werden. Diese Allee hat keine Bezugspunkte, führt von nirgendwo nach nirgendwo und bleibt wohl deshalb eine Totgeburt. Höchst zweifelhaft ist auch, ob an der Hofgartenseite, das heißt im Norden der überdimensionierten Libeskindbauten, die Aufenthalts-qualität entsteht, wie sie auf Fantasiebildern in einer städtischen Broschüre dargestellt wird. Wir von der Bürgerinitiative „Lott Stonn!", einem Arbeitskreis von Architekten, Stadtplanern, Denkmalschützern und kommunal-politisch engagierten Bürgern, kämpfen seit fünf Jahren nicht nur für den Erhalt des Tausendfüßlers. – Wir setzen uns kritisch mit der Stadtplanung auseinander und entwickelten Alternativen, die besser funktionieren, besser aussehen und vor allem auch Kosten sparen. Der Bund Deutscher Architekten war auf unserer Seite und wir wussten auch immer die Mehrheit unserer Mitbürger hinter uns.
Alle Umfragen zeigten eine deutliche Mehrheit gegen den Abriss. Ebenso viele Leserbriefe in den Zeitungen, Beiträge im Internet und zahlreiche Eingaben bei der gesetzlich vorgeschriebenen Bürgerbeteiligung im Juni und Juli 2011. Auf 994 Seiten wurden die Bürgermeinungen dokumentiert, zusammen mit den immer gleichen ablehnenden Stellungsnahmen der Stadtverwaltung. Eigentlich ist die Bürgerbeteiligung ja eine Farce, wenn sie völlig wirkungslos bleibt.- „ Augen zu und durch" ist offenbar der Leitsatz bei der gegenwärtigen Ratsmehrheit für Abriss und Stadtumbau. Dabei hätten die akuten Finanzprobleme der Stadt – Einbruch der Gewerbesteuer, Verteuerung der U-Bahn – zum Nachdenken führen müssen, ob der enorm teure Stadtumbau noch angebracht und gerechtfertigt ist. Wo doch bereits an vielen Stellen gespart werden muss, dass es weh tut. |


